9. Februar 2022
Aktuelle Information zur Entwicklung der Energiepreise

Die Entwicklungen auf den Energiemärkten in den letzten Monaten und eine noch nie dagewesene Preisexplosion der Beschaffungspreise Strom und Gas ist momentan eine Herausforderung für die Versorgungswirtschaft im Allgemeinen und so auch für uns als Stadtwerke Greifswald. 

In der öffentlichen Diskussion standen bisher jedoch meist andere Themen wie z.B. die Corona-Lage oder der Ukraine-Konflikt im Vordergrund. Erst durch die Lieferbeendigungen einiger größerer Discount-Lieferanten und einer endlich einsetzenden Beachtung der Energiepreise durch die Politik bekommen die Energiepreise eine höhere mediale Aufmerksamkeit. Zum breiten Spektrum der Daseinsvorsorge gehören für die Stadtwerke Greifswald die Medien Strom, Gas, Fernwärme und Trinkwasser. Die vergangenen Jahre waren durch niedrige bis sehr niedrige Großhandelspreise und dagegen stetig wachsende staatlich induzierte Kosten gekennzeichnet. 

Entwicklung Gas- und Strompreise
Seit der zweiten Jahreshälfte 2021 ist jedoch ein stetiger und rasanter Anstieg der Großhandelspreise für Strom und Gas zu beobachten. Diese Entwicklung ist ein Zusammenspiel verschiedenster Faktoren. Die Corona-Pandemie und die ergriffenen Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung bewirkten in 2020 einen starken Rückgang der Weltwirtschaft und damit auch der Nachfrage nach Rohstoffen. In Zeiten dieser Unsicherheit wurden Förderquoten gedrosselt und Infrastrukturprojekte oder geplante Revisionsmaßnahmen verschoben. Das Frühjahr 2021 fiel im Vergleich zu den Vorjahren unerwartet kalt aus. Die niedrigen Temperaturen reichten dabei bis in das 2. Quartal hinein und führten zu einer ungewöhnlich starken Beanspruchung der nationalen Gasspeicher. 
Ab dem Sommer 2021 setzte vor allem in Asien die konjunkturelle Erholung ein, was mit einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage einherging. Dieser Nachfrage konnten die Produktions- und Lieferketten nicht in gleichem Maße nachkommen. Infolge dessen setzte eine Verteuerung sämtlicher Rohstoffe (Holz, Kohle, Gas usw.) ein. Die niedrigen Füllstände der Gasspeicher heizten die Unsicherheit weiter an. Die steigenden Gas- und Kohlepreise ließen auch den Preis für Strom klettern. Eine Spirale setzte sich in Gang, welche zu nie dagewesenen, extrem kurzfristigen und unvorhersehbaren Preissprüngen an den Energiemärkten führte. Die nachfolgenden Grafiken veranschaulichen die Entwicklung für Strom und Gas anhand des Preises für das Jahresprodukt 2023.
Bestandskunden der Stadtwerke Greifswald müssen sich in diesem Jahr 2022 dennoch keine Sorgen um explodierende Strom- oder Gaskosten machen. Die Mengen zur Belieferung der Bestandskunden haben die Stadtwerke Greifswald im Rahmen ihres Risikohandbuches bereits weit im Voraus über mehrere Beschaffungszeiträume verteilt eingedeckt. Für Gas wurden z.B. im Zeitraum Juli 2019 bis September 2021 Gasmengen für 2022 über 11 Tranchen verteilt beschafft. Auf diese Weise konnte ein Anstieg der Beschaffungspreise auf ein Minimum reduziert werden. Folglich haben die Stadtwerke Greifswald ihre Endkundenpreise für Erdgas nur moderat angehoben. Dagegen konnte die SWG die Strompreise für Bestandskunden sogar konstant lassen. Dies gelang neben der vorausschauenden Beschaffungsstrategie auch durch die Weitergabe der gesunkenen EEG-Umlage. Für das laufende Jahr plant die SWG keine Preisänderung für Strom und Gas im Bestandskundensegment.

Zu erwähnen ist weiterhin, dass die Beschaffungskosten nur einen Teil des Endkundenpreises ausmachen. Hinzu kommen die staatlich regulierten Netzentgelte und vor allem die staatlich verursachten Umlagen, Abgaben und Steuern. Trotz gestiegener Beschaffungspreise am Strommarkt und Senkung der EEG-Umlage, beträgt der Anteil der Stromerzeugung inklusive Vertriebskosten in 2022 nur 35,6 % des Gesamtstrompreises den Endkunden bezahlen müssen. Zwei Drittel des Endkundenpreises lässt sich somit nicht von der Energiewirtschaft bzw. der SWG beeinflussen. Hier kann bzw. muss die Politik eingreifen, um die Kunden zu entlasten. 
Die nachfolgende Grafik veranschaulicht diesen Zusammenhang anhand des bundesweiten Durchschnittspreises.
Entwicklung Fernwärmepreise
Die Preisgestaltung für die Versorgung mit Fernwärme benötigt eine differenzierte Betrachtung. Anders als im Strom oder Gas kommt in der Fernwärme in der Beschaffung des benötigten Erdgases für das Kraftwerk eine andere Preisformel zur Anwendung. Der Fernwärmepreis wird immer sehr nah am aktuellen Marktpreis für Erdgas kalkuliert. Dies hat in den vergangenen Jahren zu sehr niedrigen Fernwärmepreisen für die Greifswalder Fernwärmekunden gesorgt. So belegte die SWG in Preisvergleichen des Branchenverbandes stets einen der vorderen preisgünstigsten Plätze. Der sprunghafte oder sogar explosionsartige Anstieg der Gaskosten insbesondere im IV. Quartal 2021 führt nun auch zu steigenden Fernwärmepreisen.  
Um ein volles Durchgreifen dieser Preisentwicklung auf unsere Fernwärmekunden zu verhindern, haben sich die Stadtwerke Greifswald dazu entschlossen, den Arbeitspreis für Fernwärme im ersten Quartal 2022 bei einem Preis von 99,00 €/MWh zu deckeln. Dies entspricht zwar immer noch einer Steigerung gegenüber dem Preis vom vierten Quartal 2021 von ca. 39 %, eine volle Anwendung der vertraglichen Preisgleitklausel hätte jedoch einen Preis von 146,08 €/MWh ergeben. Diese massive Preissteigerung von 105% haben die Stadtwerke Greifswald somit abgewendet.

29.03.2022
Abweichend zu den derzeit geltenden Allgemeinen Versorgungsbedingungen und vertraglichen Regelungen, setzen wir für das zweite Quartal 2022 statt einem Wert von 199,92 €/MWh (netto), lediglich einen Arbeitspreis von 135,00 €/MWh (netto) für die Berechnung des Fernwärmepreises in Ansatz.

Im Rahmen der Wärmestrategie der SWG und in Einklang mit dem Masterplan Klimaschutz der UHGW investiert die SWG derzeit rund 42 Millionen Euro in die Modernisierung und Umstrukturierung unserer Erzeugungsanlagen. Neben dem Bau einer der größten Solarthermieanlagen Deutschlands ist der Einsatz einer Großwärmepumpe und die teilweise Umstellung auf Biomethan vorgesehen. Gleichzeitig wird die neue Turbine so geplant, dass sie jederzeit auf klimaneutralen Wasserstoff umgestellt werden kann, sobald geeignete Rahmenbedingungen für den Einsatz von Wasserstoff gegeben sind. Mit dieser für die SWG größten Investition seit ihrem Bestehen wird der Weg einer weiteren Dekarbonisierung der Fernwärme konsequent weiterverfolgt. Die Folge wird ein in den nächsten Jahren stetig wachsender Anteil von erneuerbaren Energien an der Fernwärme sein und damit eine deutliche Senkung des CO2-Ausstosses. Gleichzeitig verringert sich damit zukünftig die Abhängigkeit des Fernwärmepreises vom Preis für Erdgas.

Es bedarf weiterhin der Anstrengung von Politik und Versorgungswirtschaft, die zukünftigen Energiepreise im Blick zu behalten. Gerade hinsichtlich des dahin notwendigen Dialogs mit der Versorgungswirtschaft, tut sich die Politik, und hier gerade die Landes- und Bundespolitik, aus unserer Sicht sehr schwer. Den Versorgern von vornherein den schwarzen Peter zuzuspielen, ist dabei kontraproduktiv und den Kunden nicht mehr zu erklären. Gerade vor den gegenwärtigen Szenarien, dass einige Billiganbieter ihre Kunden hängen lassen, dass Preise teils ins Unermessliche steigen, aber der Bund permanent durch die Mehrwertsteuer mitverdient, ist den Kunden nicht mehr zu erklären. Die Stadtwerke zeigen jetzt, dass sie jederzeit der Verantwortung gegenüber ihren Kunden gerecht werden. 

DARUM STADTWERKE GREIFSWALD:
Nah an den
MENSCHEN.

Aktiv für die
UMWELT.
Engagiert in der
REGION.


Stadtwerke Greifswald
Gützkower Landstraße 19–21, 17489 Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern
Telefon: 0800 53-21150

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